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Teil 2 meiner Geschichte

Hier folgt nun der zweite Teil meiner Geschichte. Der bisher letzte Schub begann im Februar 2010 und führte zur Entstehung dieser Webseite. Ich hatte damals ja einiges vor, wovon ich aber nicht alles umsetzte. Die Versorgung mit Mineralien übernimmt seit ein paar Wochen ein vielversprechendes Produkt. Es nennt sich Schindele's Mineralien. Mit der Ausleitung der Schwermetalle fuhr ich damals noch eine Weile fort. Als ich schliesslich mittels des Korianders auch belastende Stoffe aus dem Gehirn entfernen konnte, verbesserte sich mein Gesundheitszustand in verschiedenen Bereichen. Dennoch brach ich die Ausleitung irgendwann ab, möglicherweise aufgrund des doch etwas gewöhnungsbedürftigen Geschmacks der Bärlauchtropfen. Mittlerweile denke ich jedoch über eine Fortführung der Ausleitung nach. Sowohl die Darmsanierung als auch die Ernährungsumstellung verschob ich auf unbestimmte Zeit.

Der Besuch beim Homöopathen brachte dieses Mal keine Veränderungen mit sich, hingegen stellte sich der Gang zum Psychotherapeuten als eine meiner besten Ideen heraus. Etwas vom Wichtigsten, das mir während der Gespräche klar wurde, ist, mitzuteilen, was ich brauche. Dies fiel mir immer schwer, da ich das Gefühl hatte, eine Schwäche zu zeigen, indem ich ein Bedürfnis äussere. Der Andere bekommt so Macht über mich, somit bin ich ihm ausgeliefert. Um dies zu verhindern, erkämpfte ich mir das Gewünschte einfach durch Manipulation. Eine sehr unschöne Methode, da das Gegenüber sicher viel lieber um etwas gebeten wird als dazu gezwungen zu werden. Ausserdem erkannte ich, wie sehr ich immer alles kontrollieren wollte. Martin, mein Therapeut, machte mich darauf aufmerksam, dass wir auf gewisse Dinge nur in sehr beschränktem Masse Einfluss nehmen können. Hier gilt es, sie einfach anzunehmen, bestenfalls sie sogar zu bejahen. Ein weiteres Thema war, zu erkennen, dass es nichts bringt, sich gedanklich ständig in der Vergangenheit oder der Zukunft zu bewegen, denn das Leben findet jetzt statt. Und jetzt ist der einzige Moment, in dem ich etwas bewegen kann. Schliesslich ging es auch darum, sich selbst gern zu haben und sich etwas wert zu sein.

Ein anderer Ansatz ist, dass ich auf keinen Fall von anderen abhängig sein wollte. Martin erklärte, dass wir jedoch alle abhängig sind, ob wir es wollen oder nicht. Dies beginnt damit, dass wir davon abhängig sind, dass uns eine Frau gebärt, um in dieses Leben zu kommen. Danach sind wir abhängig von unseren Eltern und anderen Menschen um uns herum. Später sind wir abhängig von Lehrern, Dienstleistungen dieser Gesellschaft usw. Jemand muss die Nahrung anbauen, die wir essen, Kleider herstellen, die wir tragen und vieles mehr. Kein Mensch ist völlig unabhängig. Auch der nicht, der völlig allein in der Natur lebt, denn er ist wiederum abhängig vom Wetter, von Nahrung und wilden Tieren. Leben wir mit einem Partner zusammen, haben wir einst beschlossen, dass wir von diesem Menschen abhängig sein möchten: von seiner Liebe, seiner Fürsorge, vielleicht auch von seinem Geld oder anderem. Gleichzeitig haben wir jedoch auch Macht über diesen Menschen, denn auch er ist von uns abhängig. Und mit dieser Abhängigkeit Frieden zu schliessen war nun eine weitere Aufgabe für mich. Sollte mir dies nicht gelingen, würde mich wohl meine MS irgendwann lehren, in Abhängigkeit von anderen leben zu müssen.

Viele weitere Dinge wurden noch besprochen, aber Martin meinte, dass insbesondere zwei Dinge für meine Krankheit verantwortlich seien:

1. meine Stärke und die Fähigkeit, sehr viel zu (er)tragen und
2. die Tatsache, dass ich stets auf der Suche nach Zuwendung bin ohne jedoch zu wissen, wie ich sie bekommen kann.

Er erklärte mir, dass es ihn zutiefst erstaune, dass ich, nach allem was ich bereits erlebt habe, erst im Jahr 2006 zusammengebrochen bin. Andere wären an meiner Stelle längst an Krebs erkrankt oder an einem Herzinfarkt gestorben. In Verbindung mit meinem Bedürfnis nach Zuwendung und dem Nicht-Wissen, wie ich sie erhalte, kann diese Tragfähigkeit jedoch auch fatale Folgen haben. Dann nämlich, wenn ich krank werde, um jemanden dazu zu bringen, mir Aufmerksamkeit zu schenken. Da ich eben so tragfähig bin, halte ich die Krankheit dann tapfer aus und bekomme so meine Zuwendung. Dies galt es zu ändern. Es gibt andere Wege um das zu bekommen, was man braucht. Mit Genugtuung hörte ich, dass Martin mich für sehr stark hielt. Aber genau in dieser Stärke liegt dann eben auch die Selbstüberschätzung, die einen glauben macht, alles alleine bewältigen zu können. Jeder Mensch hat seine Grenzen. Und wenn man von sich denkt, dass man alles schaffen kann, dann überfordert man sich.

In diesem Sommer merkte ich erstmals bei der Gartenarbeit, dass sich wohl meine Beine nicht mehr vollständig vom letzten Schub erholt hatten. Sie ermüdeten relativ rasch, so dass ich nach einer Weile kaum noch die paar Schritte bis ins Haus schaffte. An einer Familienfeier im Herbst wurde mir dann bewusst, dass sich meine Gehfähigkeit deutlich verringert hatte. Als einige nach dem Essen spazieren gehen wollten, machte auch ich mich auf den Weg, musste mich jedoch nach ein paar 100 Metern hinsetzen und ausruhen. Wenig später fuhren wir mit Freunden ein paar Tage ins Elsass in einen Kurzurlaub. Auch hier zeigte sich, dass ich mich nach einer Weile Gehen immer wieder hinsetzen musste. 

In diesem Herbst fanden wir dann durch eine glückliche Fügung ein Haus, das völlig unseren Vorstellungen entsprach. Voller Elan ging's nun ans Planen, Um- und Ausbauen. Der Umzug setzte mich dann noch einmal so richtig unter Druck. So vieles musste bedacht und erledigt, entsorgt, neu angeschafft und die alte Wohnung gereinigt werden. Daneben durfte ja auch die Arbeit nicht zu kurz kommen, und im neuen Daheim ging's ans Einräumen. Oft wusste ich gar nicht mehr, wo ich anfangen sollte. Aber mit Hilfe meiner Familie sowie ein paar Freunden schaffte ich es schliesslich - und dies sogar, ohne einen weiteren Schub zu provozieren. Das neue Haus machte mir sehr grosse Freude und brachte wieder richtig Schwung in mein Leben. Ich hatte das Gefühl, als würde ich endlich wieder am Leben teilnehmen. Gleichzeitig lief es auch beruflich immer besser. Alles hatte sich verändert, und ich war zutiefst dankbar für all die wundervollen Dinge, die nun in mein Leben traten. Die Jahre 2010 und 2011 waren für mich die Zeit der grossen positiven Veränderungen. Und so scheint es bis heute auch weiterzugehen.

Irgendwann im Winter begann ich verschiedenste MS-Bücher diverser Autoren zu lesen, die das Thema etwas anders als üblich angingen. Aus all diesen Büchern konnte ich etwas dazulernen. Am allermeisten beeindruckten mich jedoch die Bücher von Barbara Zaruba: Diagnose MS - wie ich meine Hoffnung wiederfand und das tolle Buch über Sonja Wierks SOWI-Therapie Dem Leben wiedergegeben, worin sie Sonjas Weg zur Genesung sowie ihre Therapie beschreibt. Insbesondere Letzteres ist für mich zu einer wichtigen Begleitung auf meinem eigenen Weg geworden. Und dann bedrängte mich meine Freundin bereits seit langem, Eckhard Tolles Bücher Jetzt und Eine neue Erde zu lesen. Ich sträubte mich lange dagegen, denn Filme des Autors, die ich auf dem Internet gesehen hatte, erzeugten bei mir eine gewisse Abneigung. Dies  hatte gar nichts mit den Inhalten zu tun, die er zu vermitteln suchte, sondern mehr mit seiner Erscheinung. Da jedoch meine Freundin nicht locker liess, begann ich seine Bücher dann doch zu lesen. Heute sind sie zu den wichtigsten Schriften in meinem Leben geworden, die mir immer wieder als Wegweiser dienen. Etwas vom Wesentlichsten, was ich daraus lernte, war, dass es nicht die Dinge sind, die uns im Leben widerfahren, die uns unglücklich oder leidend machen, sondern nur unser Widerstand dagegen. Ganz gemäss einer buddhistischen Formel, die lautet: Leiden = Schmerz x Widerstand. Natürlich war mir dies nicht neu, aber Tolle schafft es, die Dinge so klar und verständlich zu vermitteln, dass sie problemlos verinnerlicht werden können. Ausserdem beginnt man zu verstehen, wie unsinnig es ist, ständig in der Vergangenheit oder der Zukunft zu leben, ist doch das ganze Dasein nichts anderes als ein unaufhörliches Jetzt. Schon vor Jahren hatte ich diese Erkenntnis gewonnen, jedoch nie wirklich Konsequenzen daraus gezogen. Auf einmal schien alles einen tieferen Sinn zu bekommen. Vieles in Tolles Büchern erinnerte mich an Dinge, die ich bereits in der Psychotherapie gehört und gelernt hatte, so dass auch diese nun eine neue Dimension bekamen.

Scooter

Im Februar 2012 verbrachten wir unseren Urlaub mit Freunden an der Costa Blanca in Spanien. Es war herrlich, aber mich ärgerte immer wieder, durch meine Gehbehinderung für die anderen ein Hindernis zu sein. Zwar verneinten sie diese Tatsache vehement, dennoch störte es mich selbst sehr. Entlang der Playa gibt es vielerorts Promenaden, auf denen die Leute flanieren. Da sich besonders im Winter viele ältere Menschen dort aufhalten, stachen uns bald die vielen Elektromobile ins Auge, mit denen die Senioren unterwegs sind. Und eines schönen Tages fanden wir uns in einem solchen Scooter-Shop wieder, wo ich ein paar dieser Dinger probefahren durfte. Es machte unheimlich Spass, und da das günstigste Fahrzeug im Preis noch heruntergeschrieben war, erstand ich ein solches Vehikel. Ab sofort konnte ich also nun auch weitere Strecken zurücklegen ohne ständig Pausen einlegen zu müssen. Ich war unendlich glücklich und fühlte mich frei!

Meinen Scooter nannte ich liebevoll "Scooty". Scooty kam natürlich mit nach Hause. Hier war es für mich eher etwas problematisch, mich damit in der Öffentlichkeit zu zeigen. Unsere Nachbarn wussten ja mehrheitlich gar nichts von meiner Krankheit. Wie würden sie reagieren? Würden sie viele unangenehme Fragen stellen? Ausserdem hatte ich schon gehört, dass fremde Menschen manchmal seltsam auf Leute mit Behinderungen reagieren. Offenbar kommt es vor, dass sie gar nicht für voll genommen oder einfach übergangen werden. Um mich dem nicht völlig schutzlos auszusetzen, fanden meine ersten "Ausflüge" im Beisein meines Liebsten statt. An seiner Seite fühlte ich mich sicher. Bald merkte ich aber, dass die Leute durchaus positiv auf mich reagieren. Autofahrer halten an, um mich über die Strasse zu lassen, Passanten bieten ihre Hilfe bei schwierigen Manövern an, alle scheinen rücksichtsvoll, geduldig, tolerant und hilfsbereit zu sein. Jeder grüsst mich mit einem freundlichen Lächeln. Und die Nachbarn haben inzwischen bestimmt alle hinter ihren Gardinen hervorgeguckt und festgestellt, dass ich nun ab und zu in diesem Gefährt unterwegs bin. Sie können sich ja denken, dass ich es nicht nur aus Bequemlichkeit benutze. So sehe ich ihren künftigen Fragen eher gelassen entgegen.

Allerdings möchte ich mich nicht ausschliesslich auf Scooty verlassen. Er soll mir helfen, weitere Distanzen zurückzulegen, die ich mir früher mühsam zu Fuss erkämpfte. Kürzere Distanzen werde ich weiterhin zu Fuss bewältigen, ins Einkaufszentrum oder in die Stadt fahre ich mit meinem Roller oder mit dem Auto. Das geht schneller und einfacher. Und daneben werde ich weiterhin daran arbeiten, dass mein Gehvermögen sich wieder verbessert. Scooty ist lediglich zum jetzigen Zeitpunkt ein Helfer für gewisse Situationen.

Manchmal taucht bei mir die Frage auf, was es zu bedeuten hat, dass seit meinem letzten MS-Schub bereits mehr als 2 Jahre vergangen sind. Ist das nun ein gutes oder ein schlechtes Zeichen? Es könnte einerseits bedeuten, dass meine schubförmige MS nun bereits progredient geworden ist, sich also zusehends verschlimmert. Dem widerspricht jedoch die Tatsache, dass sich mein Gesundheitszustand seither nicht verschlechtert hat. Einzig das Gehen scheint etwas weniger gut zu gelingen als früher. Allerdings stellte ich dies schon bald nach dem letzten Schub fest, und wie mir scheint, hat es sich danach nicht mehr wesentlich verschlechtert. Und wenn doch ein kleiner Unterschied bestehen sollte, dann könnte dieser auch darauf zurückzuführen sein, dass ich seit einiger Zeit grösseren Anstrengungen eher etwas aus dem Weg gehe. Weniger Bewegung kann ja auch dazu führen, dass die Muskeln, die nicht mehr benutzt werden, schwächer werden. Dies ist auch bei bettlägerigen Patienten immer wieder ein Problem. Sie müssen oft erst die Muskelmasse wieder aufbauen, bevor sie sich nach ihrer Genesung wieder normal bewegen können. Also habe ich mir vorgenommen, künftig öfter mal unseren Hometrainer zu benutzen, der  bisher ein eher einsames Dasein geführt hat.

Andererseits besteht auch die Möglichkeit, dass das Ausbleiben von weiteren Schüben darauf zurückzuführen ist, dass meine MS zum Stillstand gekommen ist. Eigentlich fühlt es sich für mich so an, aber man weiss es ja nie so genau. Verwundern würde es mich allerdings nicht, da ich seit Beginn der Psychotherapie sehr viel an mir gearbeitet habe. Vieles habe ich in meinem Denken, Fühlen und Verhalten verändert, dennoch bleibt natürlich weiterhin einiges zu tun. Wie auch immer - ich freue mich, dass es mir so gut geht und schaue zuversichtlich in die Zukunft. Egal, was sie bringen mag, werde ich versuchen, jede Erfahrung, die mir das Leben bringt weiterhin als positiv und hilfreich anzusehen. Immer vorwärts gehend, die Geschenke und Herausforderungen des Schicksals gleichermassen annehmend und alle Möglichkeiten des jeweiligen Moments ausschöpfend. Auf dass Marc Aurel Recht hat, wenn er sagt:
 

Dass auch der, der am längsten gelebt hat, doch nur dasselbe verliert, wie der, der sehr bald stirbt.
Denn nur das Jetzt ist es, dessen man beraubt werden kann, weil man nur dieses besitzt,
und niemand verlieren kann, was er nicht hat.

 


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