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Meine Geschichte

Im April 2007 begann ich, regelmäßig basische Fußbäder zu machen, um meinen Körper zu entsäuern. Da ich unter Muskelrheuma litt, das mich manchmal mit starken Schmerzen quälte, gegen die kein Kraut gewachsen schien, nahm ich auch ab und zu ein basisches Vollbad. Dennoch hatte ich wirklich starke Schmerzen. Während der Fußbäder merkte ich nun, daß es mich in meinen Fußsohlen jeweils wie elektrisierte. Es fühlte sich irgendwie wie ein Kurzschluß an, und ich hielt die halbe Stunde kaum durch, die ich meine Füße in dem Becken behalten sollte. Auch ein Naturarzt, den ich deswegen aufsuchte, wußte keinen hilfreichen Rat. Seine Idee, für jeden Fuß ein eigenes Becken zu verwenden, half leider nichts. 

Um meinem belasteten Körper zu helfen, führte ich außerdem wieder einmal eine Leberreinigung durch, bei der ich eine fürchterliche Flüßigkeit, bestehend aus Olivenöl und Grapefruitsaft, schlucken mußte. Tatsächlich fanden sich in meinen anschließenden Ausscheidungen zahlreiche feine und einige grobe Gallensteine. Zur Unterstützung der Reinigung kaufte ich mir eine Chi-Maschine, auf die ich mich fortan täglich mindestens 10 Minuten legte. Es fühlte sich gut an, aber ich wußte nicht, wieviel sie bewirken würde. An einem Vortrag über einen bestimmten Zapper erstand ich schließlich ein solches Gerät, das sofort eingesetzt wurde. Ich wollte jetzt endlich meinen Körper von all’ den Schlacken befreien, die ihn seit Jahren belasteten. (Hier finden Sie Links zu den genannten Produkten).

Als irgendwann Anfang Mai die Rheuma-Schmerzen fast unerträglich wurden, rief ich verzweifelt meinen Homöopathen an und fragte ihn, was ich tun solle. Da er sich gerade nicht in meiner Gegend befand, fragte er mich, ob ich so etwas wie eine homöopathische Hausapotheke besitze und was sich darin alles befinde. So las ich ihm also vor, was auf dem Behälter stand, worauf er meinte, das einzige, was einigermaßen zu meinen Symptomen paße, sei das Mercurium. Ich solle davon 3 Kügelchen nehmen.

Da ich mich selbst zuvor schon auf dem Internet schlau gemacht hatte, überraschte mich diese Wahl nicht. Also nahm ich, wie vorgeschlagen, diese drei Kügelchen, die mir im Vergleich zu anderen Präparaten, die ich bereits von früher kannte, winzig klein vorkamen. Eigentlich erhoffte ich mir deshalb davon keine große Wirkung. Umso überraschter war ich, als es zehn Minuten nach der Einnahme mit unerträglichen Schmerzen losging. Obwohl ich glücklicherweise eine sehr hohe Schmerzgrenze habe, waren die Schmerzen kaum auszuhalten, die Tränen liefen mir nur so übers Gesicht und ich weinte und schrie.

Die Suchfunktion nach „Erstverschlimmerung“ und „Homöopathie“ befragt, erhielt ich via Internet die beruhigende Auskunft, daß dies spätestens nach einer Viertelstunde vorbei sein würde und solche starken Symptome überdies ein Zeichen dafür seien, daß es sich genau um die paßende Substanz handle. Tatsächlich verschwanden die unerträglichen Schmerzen nach ungefähr 15 Minuten von alleine, und mein Rheuma war vorerst völlig verschwunden.

Nun fragte ich mich, worum es sich denn bei Mercurium handelt. Mit der Antwort – Quecksilber - konnte ich eher wenig anfangen. Ich wußte nicht viel mehr darüber, als daß man früher in Fieberthermometern Quecksilber verwendet hatte.

Die Rheumaschmerzen waren jetzt also weg, dafür fühlten sich meine Füße einen Tag später wie taub an. Ich maß dem keine allzu große Bedeutung zu, obwohl es mich schon etwas beunruhigte. In den folgenden Tagen wanderte diese Taubheit langsam meine Beine hoch und erreichte den Unterleib. Als wir am Muttertag bei meiner Schwiegermutter zum Eßen eingeladen waren, hatte ich dann auch in den Händen Empfindungsstörungen. Zuerst dachte ich, daß sie irgendwie von der Hitze aufgedunsen wären und badete sie in kaltem Waßer, aber bald merkte ich, daß die Symptome am ganzen Körper wohl damit zusammenhängen mußten.

Mein Mann fuhr mich schließlich in das einzige Krankenhaus weit und breit, wo es eine komplementärmedizinische Abteilung gibt. Nirgendwo anders war ich bereit, hinzugehen. Die Fahrt dorthin erschien mir unendlich lang, und ich hatte das Gefühl, als würde ich es keine Minute länger in diesem Auto aushalten. Dennoch blieb mir wohl nichts anderes übrig, als mich einfach da druchzubeißen.

In der Klinik angekommen, begaben wir uns sofort auf die Notfallstation, wo ich meine Symptome mehrfach schilderte. Dennoch dauerte es eine ganze Weile, bis ich schließlich untersucht wurde. Dabei kam natürlich vorerst keine Diagnose heraus, aber ich wurde endlich auf die von mir gewünschte Station eingewiesen.

Die Komplementärmediziner und das Pflegepersonal erinnerten sich, daß ich bereits eineinhalb Jahre zuvor wegen eines Burnouts hier gewesen war. Einerseits freuten sie sich, mich wiederzusehen, andererseits erkannte ich auch eine gewiße Besorgnis auf ihren Gesichtern. Da wußte ich definitiv, daß ich am richtigen Ort war, denn hier galt ich nicht als Nummer oder gar als Krankheit, sondern als Mensch.

Da die Ärzte nicht nur in athroposophischer Medizin ausgebildet, sondern überdies auch Schulmediziner waren,  wurden nun die üblichen Untersuchungen wie MRI und Lumbalpunktion an mir vorgenommen, immer wieder begleitet von einfühlsamen Gesprächen. Daneben bekam ich anthroposophische Substanzen gespritzt, als Tropfen oder Kügelchen verabreicht sowie andere Anwendungen wie Wickel, Maßagen und Heileurythmie.

Erst nach einigen Tagen erhielt ich dann die Diagnose: höchstwahrscheinlich MS. Mir wurde empfohlen, mit intravenös verabreichtem Kortison der Entzündung entgegenzuwirken. Kortison, so sagte man mir, sei eine körpereigene Substanz, von der es nun einfach viel mehr brauche als üblich. Vertrauensvoll, aber doch mit etwas gemischten Gefühlen, stimmte ich zu. Allerdings wurden die Symptome davon nicht beßer. Im Gegenteil breiteten sich die Sensibilitätsstörungen langsam auf den ganzen Körper aus, lähmten meine Gliedmaßen, machten eine Koordination beinahe unmöglich und führten dazu, daß ich weder Blase noch Darm normal kontrollieren konnte. Schließlich vermochte ich mich nicht mehr alleine an- und auszuziehen, hatte Mühe, mir die Zähne zu putzen oder mich zu kämmen, war unfähig, alleine zu duschen und brauchte häufig jemand, der mich auf die Toilette begleitete. Entweder ließ ich ständig die Dinge aus meinen Händen fallen oder zerdrückte sie, da ich nicht mehr spürte, wie fest ich sie halten mußte. Manchmal kam plötzlich meine eigene Hand von irgendwoher geflogen und erschreckte mich. Eßen war alleine sehr schwierig, weshalb mich öfters Pflegepersonen oder mein Ehemann, der mich häufig besuchen kam, fütterten. Schließlich wurde auch das Gehen aufwändig, so daß ich mich im Rollstuhl schieben ließ, um nach draußen in den Park zu gelangen.

Das Schlimme war ja, daß ich gewohnt war, immer für alle da zu sein und für jedes Problem eine Lösung zu finden – und auf einmal brauchte ich selber Hilfe, war unselbständig wie ein kleines Kind. Immer hatte ich alles und jeden unter Kontrolle gehabt, nun gelang es mir nicht einmal mehr, meinen eigenen Körper zu steuern. Er schien einfach zu tun, was er wollte, wogegen ich völlig machtlos war.

Bald wollte und konnte ich wieder nach Hause gehen. Doch die Symptome nahmen weiterhin zu, weshalb ich bei einem Neurologen angemeldet war, der nun auch ein MRI meiner Wirbelsäule veranlaßte. Abermals bekam ich Kortison, das jedoch nichts veränderte. Gegen die vorgeschlagene Behandlung mit Interferon wehrte ich mich von Anfang an. Auf den Magnetresonanzbildern der Wirbelsäule ließ sich ein großer Entzündungsherd erkennen, der wohl Grund für meine Ausfälle war.

Ich stürzte emotional in ein tiefes Loch, umso mehr, als ich mich auf dem Internet über die Krankheit zu informieren versuchte. All’ die düsteren Prognosen und negativen Geschichten zogen mich nur noch weiter hinunter. Ich hörte auch gänzlich auf, fernzusehen, denn viele Filme hatten genau die selbe Wirkung auf mich: kaum war in dem Film jemand krank oder starb sogar, bezog ich es auf mich und fühlte mich noch schrecklicher.

Überall schien ich nun Menschen mit Behinderungen zu begegnen. Auf einmal fiel mir auf, wie viele Rollstuhlfahrer es eigentlich gibt. Jedes Mal, wenn ich einen sah, fragte ich mich, ob er wohl an MS leide und betrachtete ihn heimlich ganz genau, um Anzeichen der Symptome zu erkennen. Waren wir wandern oder spazieren, intereßierte es mich, ob dieser Weg wohl rollstuhlgängig sei. Auf keinen Fall durfte ich von meiner neuen Krankheit allzu sehr in meiner Bewegungsfreiheit eingeschränkt  werden. Ich wollte einfach weiterhin alle Möglichkeiten haben – egal, ob ich sie in Anspruch nahm oder nicht.

Erst, als ich die Webseite von Ivonne Radtke entdeckte, die selber an MS gelitten hatte und nun geheilt schien, fühlte ich mich etwas beßer. Aha, es gab also noch Hoffnung. Schon von Kindheit an hatte ich immer wieder innere Dialoge mit der geistigen Welt geführt. Ich erinnerte mich, daß ich einmal gefragt hatte, woher gewiße gesundheitliche Störungen kamen und darauf die Antwort erhielt „du hast eine Amalgam-Vergiftung“. Damals wußte ich lediglich, daß es sich bei Amalgam um die Substanz handelt, mit der man Löcher in den Zähnen zu flicken pflegte. Und davon hatte ich eine ganze Menge. Ich sprach zwar einen Anthroposophen, einen Akupunkteur und einen Homöopathen darauf an, aber als alle drei kein Intereße zeigten, dem nachzugehen, beschloß ich, es beßer auch bleiben zu laßen. Nun erinnerte ich mich wieder an diese Information und daran, wie ich damals herausgefunden hatte, daß ein Hauptbestandteil des Amalgams Quecksilber ist. Also machte ich mich schlau über die Eigenschaften und Auswirkungen von Quecksilber. Schließlich wurde diese Substanz verdächtigt, an der Entstehung einer MS beteiligt zu sein. Da gleich zwei Naturärzte unabhängig voneinander zu dem Ergebnis kamen, daß ich unter einer Belastung mit Quecksilber litt, schien die Diagnose klar zu sein.

Als sich Freunde und Bekannte um mich zu sorgen begannen, pflegte ich diese mit der Feststellung zu beruhigen, daß die MS eine Fehldiagnose sei und ich an einer Amalgamvergiftung leide, worauf mir die Sanierung meines Gebißes bezahlt wurde. Inzwischen hatte ich den Bruno Gröning Freundeskreis kennengelernt. Nach der Auffaßung dieser Leute darf man eine Krankheit unter keinen Umständen annehmen und muß stattdeßen immer wieder den Heilstrom visualisieren, der den Körper regeneriert. Symptome werden als Zeichen der Heilung angesehen. Viele Kranke scheinen auf diese Weise Heilung erfahren zu haben. Da ich an die Kraft von Gedanken und Gefühlen glaube, erschien mir dies auch plausibel. Das einzige Problem in meinem Fall war die innere Angst, eben doch diese Krankheit zu haben und sie nicht so leicht wieder loslaßen zu können. Dennoch legte ich großen Wert darauf, daß mich keiner in seiner Vorstellung bereits im Rollstuhl sah, denn gegen solche Bilder mochte ich nicht auch noch ankämpfen.

Als die Empfindungsstörungen immer mehr zunahmen, fühlte ich mich bald wie ein Michelin-Männchen oder mit anderen Worten, als wäre mein Körper rundum mit Pneus gepolstert. Oft kam mir dieser, wenn ich ihn berührte, wie ein Fremdkörper vor. Auch wußte ich fast nicht mehr, wie ich im Bett liegen sollte und litt deshalb an Einschlafstörungen. Dies beßerte sich erst, als ich ins Gästezimmer umzog, wo ich niemanden störte, wenn ich mich hin und her wälzte oder immer wieder aufstand. Außerdem fand ich eine Stellung, in der das Einschlafen leichter fiel. Ich lag dabei auf der Seite, den unteren Arm vor mir und etwas angewinkelt, den oberen leicht auf den unteren gelegt. Auch war es sehr wichtig, daß ich völlig durchwärmt war. Nicht selten begleiteten mich deshalb auch im Sommer ein bis zwei PET-Flaschen, die ich mit warmem Waßer auffüllte und als Bettflaschen (Wärmflaschen) verwendete. Das Aufstehen aus dem Bett erwies sich häufig als beinah unmöglich, weshalb ich eine Technik entwickelte, bei der ich mich zuerst auf den Bauch drehte und dann auf allen Vieren rückwärts aus dem Bett krabbelte. Da dies so bequem ist, habe ich es noch lange so beibehalten.

Inzwischen waren viele Wochen ohne Beßerung vergangen, als ich abermals meinen Homöopathen konsultierte. Auch er schien etwas besorgt wegen meiner Symptome, was mich nicht gerade beruhigte. Dennoch nahm ich brav die Kügelchen mit der Q1-Mischung aus Phosphor ein, die er mir mitgab. Und siehe da: sie bewirkte zum ersten Mal nach vielen Wochen sofort eine markante Besserung. So fuhr ich weiter mit Q2, bis schließlich fast alle Störungen verschwunden waren. Homöopathische Mittel sind, wie ich bereits früher festgestellt hatte, offenbar etwas, worauf ich sehr stark anspreche.

Gelöschter WeinZusätzlich begann ich nun, regelmäßig hoch dosiertes Vitamin C sowie andere Vitamine und Mineralien einzunehmen, die helfen sollten, meinen Körper zu regenerieren. Immer wieder kam es vor, daß meine Nerven blank lagen und ich fürchtete, durchzudrehen. In solchen Momenten half ausnahmslos eine halbe Taße gelöschter Wein nach Hildegard von Bingen. Bereits nach den ersten Schlucken wurde ich sichtbar ruhiger. Beim Einschlafen halfen mir außerdem oft 30 Tropfen Avena Force von Dr. Vogel, das in der Apotheke oder Drogerie erhältlich ist, mit einem Schluck Waßer verdünnt oder ein Lappen mit Aurum-Melißen-Salbe, den ich mir in der Herzgegend auflegte. Letzteres war ein Souvenir der anthroposophischen Klinik und half ebenfalls, mich zu beruhigen und Schlaf zu finden.

Als dieser Monsterschub, wie ich ihn nannte, endlich vorüber war, dachte ich, das meiste wäre nun ausgestanden. Ende Dezember des selben Jahres wurde es dann jedoch wieder sehr streßig. Die Adventszeit verläuft nicht immer nur besinnlich, und außerdem luden sich unsere Freunde gleich selber ein und schliefen auch bei uns. Ein solcher Besuch bringt sonst schon etliche Aufregungen mit sich, aber wenn er dann noch so viel redet, braucht er zusätzlich enorm viel Aufmerksamkeit. Eigentlich war es mir längst zu viel. Dennoch sagte ich nichts und zog mich auch nicht zurück, sondern hielt tapfer durch.

Kaum waren die Freunde abgezogen, als ich einen erneuten Schub nahen spürte. Ich empfand ihn als viel, viel schwächer als den ersten, aber wenn ich mir heute so die Symptome anschaue, die ich alle protokolliert habe, scheint er mir doch äußerst unangenehm gewesen zu sein. Ich hatte mittelstarke Empfindungsstörungen an Beinen, Unterleib und beiden Händen und ermüdete beim Gehen sehr schnell, da meine Beine schwer wurden. Dies war begleitet von den bekannten Pneu- und Bandagengefühlen, einem leicht gestörten Wärme-Kälte-Empfinden, leichtem Schwindel und einem mittelstarken Kribbeln der Beine beim nach vorne Beugen des Kopfes. Das einzige, woran ich mich jedoch heute wirklich noch erinnern kann, ist die Sehnerventzündung des rechten Auges. Der Schleier in der Mitte des Gesichtsfeldes schränkte mich arg ein und machte ein Arbeiten am PC beinahe unmöglich. Oft trug ich deshalb eine Augenklappe, um das betroffene Auge abzudecken oder, wenn es nicht so auffallen sollte, eine Sonnenbrille.

Diesmal besuchte ich keinen Arzt und nahm auch keinerlei chemische Medikamente ein. Der Schub war deutlich schwächer und viel kürzer als beim ersten Mal. Inzwischen wußte ich, daß eine Entzündung ein Selbstheilungsversuch des eigenen Körpers ist. Wenn man diesen unterdrückt, antwortet der Körper häufig mit dem selben oder einem anderen Symptom, um seinen Versuch der Selbstheilung zu Ende zu bringen. Auch Fieber ist ein Selbstheilungsversuch des eigenen Körpers und sollte, so lange es nicht lebensbedrohlich ist, nicht bekämpft, sondern eher unterstützt werden. Dies wird heute bereits oft als wahr und richtig anerkannt, wobei man jedoch bei Entzündungen häufig einen Unterschied macht.

Nach ca. 5 Wochen war dieser zweite Schub vorbei, wofür ich sehr dankbar war, denn ich plante, in den Urlaub zu fliegen. Zwar nahm ich unzählige natürliche Mittel auf diese Reise mit, brauchte jedoch keines von ihnen. Ich erkrankte lediglich an einer Gehörgangentzündung, was jedoch offenbar infolge des schmutzigen Waßers dort häufiger bei Touristen vorkommt.

Der dritte Schub folgte 2 Monate nach meiner Rückkehr nach Hause und blieb mir wiederum wegen der Sehnerventzündung, diesmal des linken Auges, in Erinnerung. Wieder lief ich mit Augenklappe und Sonnenbrille herum – das kannte ich ja schon. Schwache Empfindungsstörungen, ein leichtes Schwindelgefühl sowie eine nicht sehr ausgeprägte Darm- und Blasenschwäche waren weitere Zeichen des erneuten Schubs. Wieder lehnte ich Arztbesuch und Medikamente ab. Nach 4 Wochen war der ganze Spuk vorüber. Danach war ich ein ganzes Jahr lang symptomlos.

Ich vernahm bald, daß mein Mann beruflich eine Woche im Ausland sein würde, was mich sehr streßte. Alles lastete nun auf mir alleine, und ich wußte nicht, wie ich ohne ihn klar kommen sollte. Dennoch ließ ich ihn natürlich gehen, denn für ihn schien dies wichtig zu sein. Zu allem Überfluß verschwand kurz vor seiner Abreise eine unserer Katzen und tauchte nicht wieder auf. Ich machte mir große Sorgen und suchte sie überall. Aber sie blieb verschwunden. Wieder war ich verzweifelt!

Für den Sommer planten wir unseren Urlaub. Wir fuhren diesmal nicht weit weg und wollten vornehmlich im Auto oder im Zelt übernachten, was viel billiger schien. Möglicherweise hat es mich ein wenig gestreßt, nicht zu wißen, ob dies für mich ein Problem sein würde oder nicht, bestimmt aber litt ich an der einwöchigen Trennung von meinem Ehemann. Jedenfalls antwortete mein Körper mit seinem vierten Schub, der ca. 5 Wochen dauerte. Gekennzeichnet war dieser lediglich von ein paar Sensibilitätsstörungen in den Füßen und im Unterleib, die mich jedoch nicht groß einschränkten. Einzig der häufige Harndrang war etwas unangenehm, insbesondere auf dem Campingplatz.

Inzwischen waren meine Zahnfüllungen alle sorgfältig ersetzt worden, und ich begann mit der Ausleitung der Schwermetalle aus meinem Körper. Das Muskelrheuma, das seit der Estverschlimmerung nach dem Mercurius plötzlich verschwunden, jedoch später schwächer wieder zurückgekehrt war, verschwand in der Folge fast völlig. Außerdem hatte ich erkannt, wie angenehm sich Ruhe und Entspannung auf mein Wohlbefinden auswirkten. Maßagen und Klangbehandlungen taten meinen Nerven einfach gut, aber der absolute Renner unter den Entspannungsangeboten war ein Besuch des Solbads. Zwar ist dies ein bißchen teuer, aber allemal lohnend, sich unter den Düsen oder im Sprudelbad so richtig zu entspannen!

Den fünften Schub, der drei Monate später begann, bemerkte ich fast gar nicht, denn er äußerte sich einzig in einem schwachen Schwindelgefühl sowie in leichten Empfindungsstörungen. Hätte ich nicht beim nach vorne Beugen des Kopfes jenes charakteristische Kibbeln in den Händen verspürt, wäre mir der Schub möglicherweise gar nicht bewußt geworden. Auch diesmal war alles nach nur vier Wochen vorbei. Ich stellte fest, daß meine Schübe zusehends an Intensität verloren und sich bis auf einen minimalen Rest vom allerersten Schub sämtliche Symptome wieder zurückgebildet hatten. Die Annahme, daß alles in absehbarer Zeit vorüber sein würde, schien sich also zu bestätigen. Ich war froh, den meisten Freunden und Angehörigen erzählt zu haben, daß die Diagnose der MS wahrscheinlich falsch und die Sache wohl bald ausgestanden sei.

Ein halbes Jahr später gab es große Turbulenzen in meinem Privatleben. Ich spürte, wie die neue Situation meine Nerven stark belastete, konnte jedoch nicht viel dagegen tun, denn die neuen Entwicklungen waren äußerst wichtig für mein ganzes Dasein. Dennoch war ich nicht überrascht, als ich eines Abends nicht mehr deutlich sehen konnte. Bei näherer Betrachtung merkte ich, daß ich eigentlich alles doppelt sah. Mein Gehirn schien nicht mehr in der Lage zu sein, die beiden unterschiedlichen Bilder meiner Augen zu einem einzigen zusammenzufügen. Längst machte mir solches keine Angst mehr. Vielmehr unternahm ich intereßiert einige Übungen und Versuche. Mir war sofort klar, daß dies der erwartete erneute MS-Schub war.

Nach zehn Tagen schien alles wieder beim Alten zu sein, und ich glaubte, es bereits hinter mir zu haben. Erstaunlich, wie schnell so etwas vorübergehen kann! Aber ich sollte mich getäuscht haben, denn etwa drei Wochen später entdeckte ich beim Besuch von Freunden gewisse Schwindelgefühle, welche sich nicht mehr so rasch zurückbildeten. So schwankte ich nun durchs Leben. Die meiste Zeit arbeitete ich am Computer, wo der Schwindel sich nicht groß bemerkbar machte. Bald spürte ich jedoch, daß mich in regelmäßigen Abständen eine Schwächewelle überrollte und sich blitzschnell in meinem Körper ausbreitete. Jedoch so schnell sie kam, ging sie auch wieder. Sie dauerte jedes Mal nur einige Sekunden, so daß ich sie zuerst gar nicht ernst nahm.

Mit der Zeit stellte sich heraus, daß die Schwächewellen immer häufiger kamen und ich während der Dauer ihres Auftretens in gewißen Dingen eingeschränkt war. Beispielsweise traf ich auf der PC-Tastatur nicht mehr die gewünschten Tasten, weshalb ich nun öfters eine kleine Pause einlegte, wenn ich eine solche Welle nahen spürte. Immer mehr merkte ich jedoch, daß ich während dieser Schwächewellen auch Mühe hatte, zu sprechen. Mund, Lippen und Zunge schienen einfach nicht mehr das zu tun, was ich ihnen befahl. Mein Denkprozess dauerte zwar ohne Unterbrechung fort, aber die Bewegungen waren offensichtlich gestört. Wenn ich sprach, klang es verwaschen und lallend, wie bei einem Betrunkenen. Formulierte ich die Worte langsamer und konzentriert, schien es etwas beßer zu gehen. Nur war ich nicht gewohnt, meine Gedanken so langsam zu äußern. Ich hatte immer so vieles im Kopf und wollte es so schnell wie möglich aussprechen. Es ärgerte mich ungemein, daß mir dies zuweilen einfach nicht mehr gelang. Gleichzeitig mußte ich auch lachen, weil es wirklich oft zu komisch klang.

Viele Dinge in meinem Leben hatten sich gerade in kürzester Zeit verändert, und ich war etwas orientierungslos. Was sollte ich nur tun mit meinem Leben und wo würde es mich noch hinführen? Mein Mann brachte mich schließlich auf die Idee, eine Webseite zum Thema MS zu machen. Wie es meiner Art entspricht, nahm ich dieses Unterfangen gleich in Angriff. Doch bereits am ersten Tag meiner umfangreichen Recherchen stieß ich auf Dinge, die ich zwar bereits früher gelesen, jedoch damals aus einer völlig anderen Perspektive betrachtet hatte.  

Plötzlich war mir klar: JA, ich habe eine MS. Und, was wohl noch viel wichtiger war, ich begriff, daß dies so in Ordnung ist. Diese Krankheit will mir etwas sagen, sie tauchte aus einem bestimmten Grund in meinem Leben auf. Indem ich sie einfach verleugne, bin ich gar nicht fähig, ihre Botschaft an mich zu verstehen, geschweige denn, umzusetzen. Wenn man die vielen herrschenden Vorurteile kennt, war es sicher gut, nicht gleich jedem davon zu erzählen, aber mir gegenüber darf und möchte ich es doch eingestehen. OK, ich habe MS, was jedoch nicht heißt, daß nun alles vorbei ist, denn im Grunde ist dies ja erst der Startschuß. Ich weiß nun, daß ich das, was mir geschieht, ernst nehmen und damit arbeiten muß. Nichts paßiert per Zufall, und auch eine MS ist nur dazu da, daß ich durch sie lerne und in meiner Entwicklung fortschreite.

Im Zuge meiner Nachforschungen auf dem Internet kam ich immer wieder auf neue Erkenntniße, die mir persönlich weiterhalfen. Inzwischen ist mir völlig bewußt geworden, wo meine Ängste liegen und wie ich viele Jahre lang Mechanismen entwickelt und gepflegt habe, um diesen auszuweichen. Die Verhaltensmuster sind tief in meinem Unbewußten verwurzelt, aber auch sie laßen sich bestimmt wieder aufweichen und verändern. Vielleicht braucht dies etwas Zeit. Diese will ich mit den mannigfaltigen materiellen Dingen überbrücken, die versprechen, die Symptomatik der MS aufzuhalten oder hinauszuschieben. Was ich vorhabe, zu tun, ist folgendes:

  1. Weiterhin Ausleitung der Schwermetalle aus Körper und Gehirn
  2. Fortfahren mit der Einnahme von Vitaminen, Magnesiumchlorid und Selenium
  3. Neu: tägliche Einnahme von Zink-Tabletten
  4. Darmsanierung (Eliminieren von Pilzen und Wiederaufbau der Darmflora)
  5. Mit meinem Homöopathen erneut einen Termin vereinbaren
  6. Zukünftig noch häufiger auf regelmäßige Entspannung achten
  7. Vermehrt unnötigen Streß vermeiden
  8. Dinge tun, die mir Freude bereiten
  9. Eventuell wieder mit irgend einer Art von Meditation beginnen
  10. Die vegetarische Ernährung von früher wieder aufnehmen
  11. Möglicherweise den Konsum von Getreide- und Milchprodukten reduzieren
  12. Mich anderen Menschen bewußt mehr öffnen
  13. Versuchen, mich als liebenswert anzusehen
  14. Intensive Arbeit an meinen Traumata und Ängsten

Fortsetzung...

 


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